Die Kennzeichnung am Arbeitsschuh richtig lesen

Alle Pflichtangaben stehen am Schuh selbst, nicht nur auf dem Karton – dauerhaft aufgedruckt, eingenäht oder geprägt. Wer die sechs Blöcke in ihrer festen Reihenfolge liest, weiß in zehn Sekunden, ob das Paar zur Gefährdungsbeurteilung passt und wie alt es ist. Diese Seite erklärt das Lesen des Etiketts; was die Klassen selbst bedeuten, steht im Ratgeber Schutzklassen.

Zertifizierte Modelle nach aktueller Norm:

Sicherheitsschuhe nach EN ISO 20345 ansehen

Wo die Angaben sitzen

Der übliche Platz ist ein aufgenähtes oder aufgedrucktes Etikett auf der Schuhzunge. Bei sportlichen Modellen ohne breite Zunge wandert es an den Innenschaft oberhalb der Ferse oder ins Futter der Schaftinnenseite. Größe und Herstellerlogo findest du zusätzlich in die Laufsohle oder die Fersenkappe geprägt – das ist aber keine vollständige Kennzeichnung. Der Karton trägt nur Zusatzinfos, die EU-Konformitätserklärung liegt bei oder wird online bereitgestellt.

Zungen-Etiketten scheuern innerhalb von ein bis zwei Jahren ab. Fotografiere das Etikett direkt nach dem Kauf: Für den arbeitsmedizinischen Nachweis, für Reklamationen und für die Nachbestellung derselben Ausführung brauchst du Artikelnummer, Klasse und Datum.

Die Reihenfolge der Angaben

  1. Hersteller und Modell – Marke, Serienname, oft eine Artikelnummer, die die Weite mit enthält.
  2. Größe – EU-Größe, häufig zusätzlich UK, US oder Mondopoint in Millimetern.
  3. Norm mit Ausgabejahr – EN ISO 20345:2022 für Sicherheitsschuhe mit Kappe, EN ISO 20347:2022 für Berufsschuhe ohne Kappe. Das Jahr ist entscheidend, weil sich die Kürzel mit der Revision geändert haben.
  4. Schutzklasse – SB, S1 bis S7 beziehungsweise OB, O1 bis O5.
  5. Zusatzkürzel – hinter der Klasse, meist durch Leerzeichen getrennt, zum Beispiel „S3L SR CI ESD".
  6. Herstellungsdatum – Pflicht, mindestens Quartal und Jahr, oft als 03/2026, Q1/26 oder als Uhrsymbol mit Monatsteilung.

Dazu kommen das CE-Zeichen und Piktogramme. Sicherheitsschuhe sind PSA der Kategorie II: Das CE steht ohne vierstellige Kennnummer einer notifizierten Stelle. Nur Kategorie-III-Schuhe, etwa Schnittschutzstiefel für die Forstarbeit, tragen die Nummer hinter dem CE. Piktogramme siehst du typischerweise für ESD (Hand im Dreieck) und für Schnittschutz.

Alle Zusatzkürzel und ihre Prüfung

KürzelSteht fürWas im Labor geprüft wird
AAntistatikDurchgangswiderstand zwischen 0,1 und 1000 MΩ
EEnergieaufnahme im FersenbereichAbsatz nimmt 20 J auf
FOKraftstoffbeständigkeit der LaufsohleVolumenquellung nach Lagerung in Prüfkraftstoff
PDurchtrittschutz aus Stahl1.100 N mit genormtem Prüfnagel
PLTextiler Durchtrittschutz1.100 N mit Nagel 4,5 mm
PSTextiler Durchtrittschutz, feinerzusätzlich mit dünnem Nagel 3 mm
WRU / WPAObermaterial wasserabweisendWasseraufnahme und -durchtritt am Schaft; WPA ist die neue Schreibweise
WRGanzer Schuh wasserdichtGehen im Wasserbecken bzw. Trommeltest
CIKälteisolierung30 Minuten bei −17 °C, begrenzter Temperaturabfall innen
HIWärmeisolierung30 Minuten auf 150 °C heißer Platte
HROKontaktwärme der Laufsohle60 Sekunden bei 300 °C ohne Zerstörung
SRZusätzliche RutschhemmungKeramikfliese mit Glycerin – zusätzlich zur Pflichtprüfung auf Keramik mit Reinigungsmittel; ersetzt SRA/SRB/SRC
ESDElektrostatisch ableitfähigMessung nach EN 61340-4-3 (Grenzwerte)
MMittelfußschutz100 J Schlagenergie auf den Rist
ANKnöchelschutzPolsterung am Schaftrand, Schlagprüfung
CRSchnittfestigkeit des Obermaterialsrotierende Klinge gegen den Schaft

Was fehlende Angaben bedeuten

Fehlt das Ausgabejahr hinter der Norm, stammt der Schuh meist aus einer Zertifizierung nach 20345:2011 – dann liest du SRA, SRB oder SRC statt SR. Solche Restbestände sind weiter zulässig, aber nicht mehr neu produziert. Fehlt das Herstellungsdatum, wird es kritisch: PU-Sohlen hydrolysieren auch ungetragen im Karton, und ohne Datum kannst du die Lagerzeit nicht beurteilen. Steht ESD nur auf dem Karton oder in der Shopbeschreibung, aber nicht am Schuh, ist die Eigenschaft für die betriebliche Dokumentation nicht verwertbar. Und Formulierungen wie „S3-Standard", „S3-ähnlich" oder eine Klasse ohne Normnummer sind kein Zertifikat, sondern Marketing – dann fehlt die Baumusterprüfung.

Weiterlesen

Alle Grundlagenartikel sammelt der Arbeitsschuh-Ratgeber; hier die Seiten, auf denen die gelesenen Kürzel praktisch werden:

Häufige Fragen

Wie finde ich das Herstellungsdatum am Schuh?

Es steht im Etikettenblock, meist als Monat/Jahr oder Quartal/Jahr. Manche Hersteller verwenden ein Uhrsymbol: Der Pfeil zeigt auf den Monat, die zweistellige Zahl in der Mitte nennt das Jahr. Pflicht sind mindestens Quartal und Jahr.

Was tun, wenn das Etikett unleserlich geworden ist?

Formal gilt der Schuh dann als nicht gekennzeichnet und ist für Bereiche mit Nachweispflicht ungeeignet. Über die in die Sohle geprägte Artikelnummer lässt sich das Modell beim Hersteller identifizieren; die Konformitätserklärung ersetzt aber die Kennzeichnung am Schuh nicht.

Muss der Betrieb den Karton aufbewahren?

Den Karton nicht, den Nachweis schon: Der Arbeitgeber muss belegen können, dass die gestellte PSA die geforderten Eigenschaften hat. Dafür reichen die EU-Konformitätserklärung des Herstellers und ein Foto oder eine Kopie der Kennzeichnung.