Schutzklassen erklärt: von SB bis S5

Die Schutzklasse ist die wichtigste Angabe auf jedem Sicherheitsschuh – und gleichzeitig die am häufigsten missverstandene. Hier die komplette Systematik der EN ISO 20345 in verständlich, inklusive der Änderungen aus der Revision 2022.

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Alle Klassen auf einen Blick

KlasseZehenkappeDurchtritt­schutzWasserTypischer Einsatz
SBjaBasisschutz, selten sinnvoll
S1jaTrockene Innenbereiche
S1PjajaWerkstatt, Industrie
S2jawasserabweisendKüche, Lebensmittel
S3jajawasserabweisendBau, außen
S4jawasserdicht (Polymer)Nassbereiche
S5jajawasserdicht (Stiefel)Tiefbau, Agrar, Kanal

Neu seit EN ISO 20345:2022

Die Norm-Revision hat die Klassen an zwei Stellen verfeinert. Beim Durchtrittschutz steht P weiter für die metallische Zwischensohle (Prüfnagel 4,5 mm), PL für eine nichtmetallische Einlage mit demselben Nagel und PS für eine nichtmetallische Einlage, die zusätzlich gegen den dünneren 3,0-mm-Nagel besteht. Daraus entstehen die Klassennamen S3, S3L und S3S – sie sagen also etwas über den Durchtrittschutz aus, nicht über Nässe. Beim Nässeschutz sind die neuen Klassen S6 (= S2 + wasserdichter Schuh) und S7 (= S3 + wasserdichter Schuh, mit den Varianten S7L und S7S) hinzugekommen; das zugehörige Kürzel ist WR. Die frühere Obermaterialprüfung WRU heißt jetzt WPA. Bei der Rutschhemmung sind SRA/SRB/SRC entfallen: Die Prüfung auf Keramikfliese mit Reinigungsmittellösung ist seit 2022 Pflicht für jeden Schuh – ein Modell ganz ohne Kürzel hat sie also bestanden. Das Zusatzkürzel SR steht für die schärfere Zusatzprüfung auf Keramikfliese mit Glycerin. Alte Zertifikate bleiben bis zum Auslaufen gültig – deshalb findest du im Handel derzeit beide Kennzeichnungssysteme parallel.

Die Zusatzkürzel, die wirklich zählen

KürzelBedeutung
ESDAbleitfähig unter 35 MΩ – Pflicht in Elektronikfertigung (Details)
CI / HIKälte- / Wärmeisolierung der Sohle
WRGanzer Schuh wasserdicht geprüft (führt zu S6 bzw. S7)
WPAObermaterial wasserabweisend – neuer Name für WRU, bei S2/S3 enthalten
HROSohle kurzzeitig bis 300 °C kontakthitzebeständig (Schweißen, Asphalt)
MMittelfußschutz (Metallbau, Recycling)
ANKnöchelschutz
FOKraftstoffbeständige Sohle (seit 2022 optional)

Entscheidungshilfe in drei Fragen

1. Kann etwas Spitzes am Boden liegen? Nägel, Späne, Schrauben, Glas → Durchtrittschutz nötig: S1P (innen) oder S3 (außen). 2. Wird es nass? Regen, feuchtes Gras, Reinigungswasser → mindestens S2, draußen S3; Dauernässe → S5-Stiefel. 3. Wie viele Schritte pro Tag? Ab ~10.000 Schritten lohnt jedes eingesparte Gramm und jede bessere Dämpfung – die leichteste erlaubte Klasse wählen, nicht die höchste. Ein S3, „damit man auf der sicheren Seite ist", macht im trockenen Lager nur müde Beine.

Jede Klasse im Detail

Die Übersicht oben sortiert die Klassen. Welche Klasse für welchen Arbeitsplatz taugt, wo ihre Grenzen liegen und woran du gute Modelle erkennst, steht auf den Einzelseiten:

Wie du die Kennzeichnung am Schuh selbst liest, steht unter Kennzeichnungen; die Norm dahinter erklärt EN ISO 20345. Weitere Themen im Ratgeber.

Häufige Fragen

Ist eine höhere Klasse immer besser?

Nein. Die Klassen bauen zwar aufeinander auf, aber jedes Merkmal kostet Gewicht und Atmungsaktivität. Richtig ist die Klasse, die die Gefährdungsbeurteilung verlangt – nicht mehr und nicht weniger.

Was ist der Unterschied zwischen EN ISO 20345 und 20347?

20345 regelt Sicherheitsschuhe mit Zehenkappe (S-Klassen), 20347 Berufsschuhe ohne Kappe (O-Klassen) – etwa für Pflege und Service. Aufbau und Kürzel sind ansonsten weitgehend identisch.

Erfüllt S3 die Anforderungen für Elektriker?

Teilweise: S3 ist antistatisch, also gerade nicht isolierend. Für Arbeiten unter Spannung gelten eigene Normen (EN 50321, SI-Kennzeichnung); üblich sind metallfreie S3-Schuhe plus organisatorischer Schutz. Details: Arbeitsschuhe für Elektriker.