Sicherheitssandalen – offener Schaft, voller Zehenschutz
Eine Sicherheitssandale ist vollwertige PSA nach EN ISO 20345: Die Kappe hält denselben Schlag aus wie im geschlossenen Halbschuh. Offen ist nur der Schaft darüber – und genau das deckelt die erreichbare Klasse. Über S1P kommt keine Sandale hinaus, egal was der Hersteller sonst verspricht.
Belüftete Sandalen mit Kappe und Durchtrittschutz:
Sicherheitssandalen bei Amazon ansehenWarum es keine S2- oder S3-Sandale gibt
S2 und S3 verlangen eine Prüfung des Obermaterials auf Wasseraufnahme und Wasserdurchtritt: Der Schaft wird über eine Stunde im Wasser gewalkt und darf dabei kaum Feuchtigkeit durchlassen. Ein Schaft mit Ausschnitten oder groben Perforationen kann diese Prüfung technisch nicht bestehen – die Klasse ist damit ausgeschlossen, nicht bloß unüblich. Der Durchtrittschutz dagegen sitzt in der Zwischensohle und ist völlig unabhängig vom offenen Schaft. Deshalb endet die Skala bei S1P, und deshalb ist eine Sandale mit Nagelschutz kein Widerspruch.
SB, S1 oder S1P – was auf dem Etikett stehen muss
| Klasse | Was du bekommst | Grenze |
|---|---|---|
| SB | Zehenkappe und Grundanforderungen | Ferse darf offen sein, keine Antistatik gefordert |
| S1 | zusätzlich geschlossener Fersenbereich, antistatisch, Energieaufnahme im Absatz | Obermaterial saugt Flüssigkeit |
| S1P | zusätzlich Durchtrittschutz, als P, PL oder PS | schützt nur nach unten |
Der geschlossene Fersenbereich ist das Kriterium, das viele Käufer übersehen: Eine Sandale, die hinten nur von einem Riemen gehalten wird, erreicht bestenfalls SB. Wer S1 auf dem Schaft liest, hat eine feste Fersenkappe im Schuh – und damit den Halt, der beim schnellen Antreten über Rampen zählt. Die metallfreien Varianten PL und PS sind hier besonders beliebt, weil sie die Sandale nicht wieder schwer machen. Was die restlichen Kürzel bedeuten, steht im Kennzeichnungs-Ratgeber; die vollständige Systematik findest du im Schutzklassen-Überblick.
Was die Belüftung kostet
Der Gewinn ist messbar: Ein offener Schaft senkt Fußtemperatur und Feuchte deutlich, und die Sandale wiegt in der Regel weniger als der geschlossene Halbschuh derselben Serie. Der Preis dafür ist ebenso konkret – oben ist nichts. Herunterfallende Kleinteile, heiße Späne, Funken, Kühlschmierstoff, Reinigungslauge oder ein umkippender Kaffeebecher landen direkt auf dem Rist. Dazu kommt Einstreuung: Sägemehl, Sand und Metallspäne rutschen seitlich hinein und mahlen unter der Fußsohle, bis du den Schuh ausleerst.
Praktische Faustregel: Sandalen sind gut, wo du auf sauberem, trockenem Hallenboden viel läufst oder stehst – Montage von Kleinteilen, Elektronikfertigung, Kommissionierung, Werkstattbüro, Lager ohne Schüttgut. Sie sind falsch, sobald Zerspanung, Schweißen, heiße Flüssigkeiten, Chemie oder Außenwetter im Spiel sind. Ein Betrieb, der Sandalen streicht, tut das fast immer aus einem dieser Gründe – und die Gefährdungsbeurteilung nach DGUV Regel 112-191 gibt ihm recht. Auch beim Leiter- und Gerüsteinsatz fällt die Sandale wegen des fehlenden Halts durch.
- S1Der geschlossene Zwilling
- S1PMit Durchtrittschutz
- SBNur Grundschutz
- O1Ganz ohne Kappe
- WeißHygienebereiche
Klettverschluss, Weite und Hygiene
Der breite Klettriemen über dem Rist ist der eigentliche Trumpf dieser Bauform. Füße schwellen im Lauf einer Schicht messbar an; eine Schnürung musst du dafür neu binden, den Riemen ziehst du im Vorbeigehen eine Stufe weiter. Das hilft auch bei sehr breitem oder sehr flachem Rist, bei Verbänden nach Verletzungen und beim Einlegen dicker orthopädischer Sohlen, für die ein normaler Schaft zu eng wird. Zwei Dinge solltest du prüfen: ob die Einlegesohle wirklich herausnehmbar ist, und wie der Klett altert. In staubigen oder faserigen Umgebungen – Holzbearbeitung, Textil, Dämmstoffe – setzt sich der Flauschteil zu und hält nach einigen Monaten nicht mehr; Modelle mit austauschbarem oder doppeltem Riemen sind dort die bessere Investition.
In Lebensmittelverarbeitung, Küche und Reinraum kommt die Reinigbarkeit dazu. Gefragt sind glatte Mikrofaser- oder Glattlederschäfte ohne Nähte auf der Oberseite, die sich abwischen lassen, dazu weiße Ausführungen und häufig ESD. Achtung im Küchenbereich: Wo heiße Flüssigkeiten und Fette umgehen, verlangen die Betriebe in der Regel den geschlossenen Schuh – dort ist die Sandale trotz Hygienevorteil die falsche Antwort. Für die Grundlagen der Norm lohnt der Blick in den Artikel zur EN ISO 20345.
Häufige Fragen
Sind Sicherheitssandalen auf der Baustelle erlaubt?
Nein. Draußen gelten Nässe, Nägel im Bauschutt und herabfallendes Material – dafür ist S3 vorgeschrieben, und S3 ist mit offenem Schaft nicht erreichbar.
Gibt es Sicherheitssandalen mit ESD?
Ja, ESD ist ein Zusatzmerkmal und vom offenen Schaft unabhängig. Es wird häufig mit S1 oder S1P kombiniert und ist in der Elektronikfertigung Standard. Entscheidend ist, dass Sohle, Einlegesohle und Socke zusammen ableitfähig bleiben.
Wie fallen Sicherheitssandalen aus?
Meist wie das geschlossene Modell derselben Serie, weil der Leisten identisch ist. Zu groß gekauft rutscht der Fuß beim Abrollen nach vorn gegen die Kappe – teste im Stehen, ob die Zehen die Kappe berühren, und stelle erst danach den Riemen ein.